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Die Community fragt – unsere Expert*innen antworten! 

In seinem dritten Video zum Thema Bioökonomie nimmt Doktor Whatson die biobasierte biobasierte Mode unter die Lupe. Einige Fragen aus seiner YouTube-Community haben wir an Expert*innen der Bioökonomie weitergeleitet. Die Fragen und Antworten findet ihr hier:

Hanf in der Textilherstellung

Antwort von Prof. Dr.-Ing. Holger Cebulla, TU Chemnitz:

Sowohl Hanf als auch Leinen sind heimische Pflanzen, die ohne Bewässerung, Düngung und Pestiziden auskommen. Von dieser Seite her wären es die idealen Pflanzen für Bekleidung. Leider gibt es auch eine andere Seite. Die Faserbündel, die aus den Pflanzen gewonnen werden, weisen einen großen Durchmesser und eine hohe Länge auf. Damit sind die Faserbündel relativ steif und hart im Vergleich zur Baumwolle. Auf Grund des Durchmessers und der Biegesteifigkeit empfinden wir die Faserbündel als relativ rau. Aufgrund von Wasserröste und Handarbeit sind die Chinesen in der Lage, sehr feine baumwollähnliche Fasern zu gewinnen. Die Wasserröste führt jedoch zu einer Belastung des Abwassers und wird in Deutschland nicht durchgeführt. Momentan forschen verschiedene Textilinstitute an umweltverträglichen Verfahren für die Nutzbarmachung von Hanf als Bekleidungsfaser. Es geht um die Reduzierung des Faserdurchmessers zur Verbesserung der Trageeigenschaften.

Aber die komplette Verarbeitung von Hanf und Flachs ist in Deutschland verloren gegangen. Es gibt in Europa keinen Textilmaschinenbauer, der die Maschinen zur Hanffaseraufbereitung und Verarbeitung zu Garn anbietet. Derzeitiger Marktführer in Sachen Verarbeitung des Stängels zu feinen, baumwollähnlichen Fasern sind die Chinesen. Wobei in Russland und China immer noch auf Maschinen aus den 50er und 60er Jahren produziert wird. Somit müssten wir die komplette Wertschöpfungskette wiederaufbauen.

Polyester und Waschen



Antwort und Leseempfehlung:
Knapp zusammengefasst: Kleidung aus reinem Polyester nimmt im Gegensatz zu Baumwollstoffen und anderen Materialien wenig Feuchtigkeit auf, Schweiß verdunstet und die Kleidung trocknet schnell. Der Geruch entwickelt sich schneller, weshalb meistens schon nach kurzem Tragen (auch weniger als ein Tag) gewaschen wird, um den Geruch zu entfernen.

Lesenswerter Artikel zu dem Thema: Warum man in Polyester schneller „schweißelt“


Wasserverbrauch in der Textilherstellung


Antwort von Indra Enterlein, NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.

Für den globalen Wasserhaushalt ist das Wasser auch nicht verbraucht, das ist richtig. Durch Verdunstung, Wolkenbildung, Niederschlag wird es wieder Teil des Wasserkreislaufes – nur eben nicht genau dort, wo es verdunstet ist. Was bedeutet: Für dieses Feld geht das Wasser verloren. Und warum regnet es nicht über dem Feld ab? Weil in trockenen Gebieten eine hohe Menge an Baumwolle angebaut wird, die natürlicherweise dort gar nicht wachsen würde - weil eben zu wenig Niederschlag fällt. Leider verstärkt sich dieser Prozess selbst. Die Kombination von hoher Verdunstung mit starker Bewässerung hat weitere negative Folgen: Die Mineralien bleiben im Boden zurück und das Feld versalzt und wird für eine weitere Bewirtschaftung unbrauchbar. Die Vegetation geht zurück oder verschwindet vollständig. Der Wind verweht den Boden und das Land wird somit unfruchtbar. Wenn dieser Prozess lange anhält und besonders stark ausgeprägt ist, spricht man sogar von Desertifikation.