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Die Community fragt – unsere Expert*innen antworten! 

In seinem zweiten Video zum Thema Bioökonomie nimmt Doktor Whatson die biobasierte Stadt der Zukunft unter die Lupe. Einige Fragen aus seiner YouTube-Community haben wir an Expert*innen der Bioökonomie weitergeleitet. Die Fragen und Antworten findet ihr hier:


Vertical Farming: Arbeitsaufwand und Energieversorgung

Antwort von Dr.-Ing. Anja Steglich, TU Berlin:

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Zu jeder städtischen Farm gehört ein umfangreiches Konzept zur Sicherstellung des Betriebs. Wenn Pumpen zum Einsatz kommen, sollten diese solar betrieben werden, Regenwasser kann von den Solarmodulen abgeleitet und zur Bewässerung der Farm genutzt werden. Eine intensive Beleuchtung der Pflanzen kann umgangen werden durch saisonalen Betrieb und/oder die Ausrichtung der Farm gemäß der natürlichen Lichtverhältnisse. Besonders produktiv sind Vertikalfarmen oder auch Grüne Fassaden, die vorhandene städtische Ressourcen wie z.B. Abwärme und Betriebswasser nutzen.


Vertical Farming und Bewässerung


Antwort von Dr.-Ing. Anja Steglich, TU Berlin:

Besonders produktiv sind Vertikalfarmen oder auch Grüne Fassaden, die vorhandene städtische Ressourcen wie z.B. Abwärme und Betriebswasser nutzen. Die hygienisch sichere Nutzung von Regen- und/oder Betriebswasser (z.B. Wasser aus der Dusche) ist zusätzlich eine Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel. Gerade in Zeiten und Gegenden der /mit Wasserknappheit ist das Recycling/die Wiederverwendung von Regenwasser und die Nutzung von Betriebswasser sinnvoll und zukunftsweisend.


Vertical Farming und die Wurzelproblematik



Antwort von Dr.-Ing. Anja Steglich, TU Berlin:

Dieses Problem bekommt man durch fachgerechte Ausführung in den Griff. Pflanzen, die sich in den Beton bohren, gibt es nur wenige. Grüne Fassaden entstehen durch rankende Pflanzen, welche die Bausubstanz nicht benötigen. Sie haben Rankhilfen und bilden stabile Gerüste durch Verholzung der Triebe.


Holzbau und Nachhaltigkeit



Antwort von Prof. Dr.-Ing. Werner Seim, Universität Kassel:

Von dem Holz, welches in deutschen Wäldern jährlich nachwächst, nutzen wir derzeit etwa 2/3 zu unterschiedlichsten Zwecken: für Zellstoff, Möbel, Pellets und auch fürs Bauen. Das heißt es gibt noch Potential für mehr Gebäude in Holzbauweise. Allerdings umfasst das nicht genutzte Drittel des nachwachsenden Holzes einen großen Anteil an Laubholz – z.B. Buche. Und Laubhölzer werden im Bauwesen bisher kaum genutzt. Das bedeutet, wir müssen zukünftig verstärkt neben den „etablierten“ Konstruktionen aus Fichte, Tanne und Kiefer auch Produkte aus Laubholz einsetzen, wenn wir den Anteil des Holzbaus weiter steigern wollen. Aber auch bei einer optimalen Ausnutzung des nachwachsenden Holzes wird es uns auf absehbare Zeit nicht gelingen, dass wir auf Stahl und Beton völlig verzichten können. Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Werkstoffe in möglichst sinnvollen Kombinationen einzusetzen, z.B. Holz und Beton gemeinsam für Deckenkonstruktionen. Und dann durch intelligente Lösungen dafür zu sorgen, dass am Ende der Lebensdauer des Gebäudes die Baustoffe leicht getrennt und sinnvoll wiederverwertet werden.


Holz als Baumaterial: Vergleich zu Beton und Stahl



Antwort von Prof. Dr.-Ing. Werner Seim, Universität Kassel:

Leider bin ich beim Brandschutz nicht ganz so euphorisch wie Dr. Whatson. Holz weist durch den langsamen Abbrand von weniger als einem mm pro Minute ein ziemlich gutmütiges Verhalten bei einem Brand auf. D.h. es ist nicht mit einem plötzlichen Einsturz zu rechnen, wie das bei einer Stahlhalle möglicherweise der Fall ist. Aber, keine Frage: Holz brennt und durch den Abbrand entsteht Rauch. Diesen Rauch im Brandfall ohne Gefährdung der flüchtenden Bewohner abzuleiten, stellt eine Herausforderung dar. Deshalb ist es einfacher und oft auch billiger, mit Beton alle Brandschutzanforderungen zu erfüllen. Auch Stahl ist ein hervorragender Werkstoff. Und wenn wir irgendwann ausreichend regenerativ erzeugte Energie zur Verfügung haben, dann können Stahlteile immer wieder im Stahlwerk eingeschmolzen und in eine neue Form gebracht werden.

Doch jetzt wieder zurück zum Holz: das Großartige beim Holz ist doch das im Verhältnis zur Festigkeit sehr geringe Gewicht, die einfache Bearbeitbarkeit und die Tatsache, dass wir Holzoberflächen als angenehm empfinden: Holz fühlt sich gut an und es sieht gut aus – ohne jede weitere Beschichtung.

Aber auch hier gilt: Bei den Baustoffen geht es nicht so sehr um „entweder oder“ sondern um „sowohl als auch“. Warum nicht ein nachhaltiges innovatives Holzhochhaus mit einem Treppenhaus aus Beton als robustem Fluchtweg - und Stahl ist bei den Verbindungen im Holzbau sowieso immer dabei.


Holzäuser: Witterung und Haltbarkeit



Antwort von Prof. Dr.-Ing. Werner Seim, Universität Kassel:

Wie lange hält Holz? Darauf gibt es eine einfache Antwort: ewig! Vorausgesetzt es wird nicht von Insekten oder Pilzen als Nahrungsquelle genutzt. Und um das zur verhindern müssen wir nur dafür sorgen, dass das Holz trocken bleibt oder, wenn es feucht wurde, möglichst schnell wieder austrocknen kann. Denn Insekten und Pilze mögen kein trockenes Holz. Nur Termiten sind da nicht so wählerisch, aber Termiten gibt es in Deutschland kaum.

Wenn wir Holz davor schützen, dass es über längere Zeit feucht ist, dann ist Holz unschlagbar hinsichtlich der Dauerhaftigkeit, und selbst bewitterte Fassaden können jahrzehntelang halten, wenn das Holz nach einer Schlechtwetterperiode wieder austrocknen kann. Anschauliche Beispiele dafür gibt es überall im Alpenraum.

Im Unterschied zu Stahl, der sofort zu rosten beginnt, wenn der Anstrich oder die Verzinkung abgetragen sind, gibt es bei trockenem Holz so gut wie keinen Schädigungsmechanismus. Also in der Tat: Holz hält ewig!