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Take Home Messages: Fischkonsum

Von Dr. Holger Kühnhold, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

1. Lieber kleine Fische als große Fische

In einer Nahrungskette benötigen die Raubtiere weit oben in der Hierarchie sehr viel mehr Energie zum Wachsen als die Pflanzenfresser und Primärproduzenten auf niedrigeren Stufen. Bei der Tierzucht an Land wurden u.a. daher nur Pflanzenfresser domestiziert (Huhn, Schwein, Rind etc.). Im Gegensatz dazu sind bei der Fischerei die großen Raubfische (Thunfisch, Lachs etc.) am begehrtesten. Da Nachfrage nach diesen großen Fischen besteht, wird nun versucht, diese in Aquakulturen zu züchten. Energetisch gesehen macht dies allerdings überhaupt keinen Sinn, denn dabei werden die großen Fische mit kleinen Fischen (Sardinen, Anchovis, etc.) gefüttert. Sinnvoller wäre es jedoch, wenn wir die kleinen Fische direkt essen würden. Das heißt, Verbraucher*innen sollten kleine Fische (Hering, Sprotten, Sardinen, etc.) aus nachhaltiger Fischerei verzehren und bei Fisch aus Aquakulturen darauf achten, dass bei der Zucht soweit wie möglich auf Fischmehl und Fischöl verzichtet wird. Sowohl energetisch als auch am nachhaltigsten aus ökologischer Sicht wird es ganz unten in der Nahrungskette, beim Verzehr von Primärproduzenten (Algen und andere Wasserpflanzen) und bei filtrierenden Tieren wie Muscheln. Diese müssen gar nicht gefüttert werden, im Gegenteil, sie reinigen sogar das umliegende Wasser.   

2. Lokal ist die beste Wahl

Der nachhaltigste Fisch wird lokal produziert/gefangen. Für Deutschland bedeutet das: Karpfen und Forelle aus extensiver Zucht sollte beim Fischkauf die erste Wahl sein. Generell sollten hierzulande die Frischwasserfische den Salzwasserfischen vorgezogen werden (hier auch klein vor groß). Aber auch bei Meerfisch sind lokale Arten aus Nord- und Ostsee zu bevorzugen; hierbei ist die Saisonalität der verschiedenen Arten auch ein wichtiger Faktor.

3. Nachfragen bzw. recherchieren, wie der Fisch gefangen bzw. gezüchtet wurde.

Soweit es möglich ist, sollten Informationen zu Fangmethode und Art der Aquakultur beim Kauf berücksichtigt werden. Welche Fangmethoden und Aquakulturproduktionen ökologisch nachhaltiger sind, kann im Internet z.B. auf Seiten der Welternährungsorganisation (FAO) nachgelesen werden. 

4. Siegel können gute Wegweiser sein.

Siegel wie z.B. MSC, ASC und Naturland können sehr gute Wegweiser beim Kauf sein. Dabei sollte man aber immer im Hinterkopf haben, dass die Zertifizierung auch ein Business ist, und die Standards zur Bewertung mitunter stark variieren können. Das bedeutet, für Zertifizierer ist es lukrativ möglichst viele Betriebe zu zertifizieren, was mit niedrigeren Standards am besten funktioniert. Dies kann auf der einen Seite zu zertifizierten Großbetrieben, die relativ niedrige Standards haben, führen – auf der anderen Seite aber auch zu kleinen Betrieben, die sehr hohe Standards haben, für die eine Zertifizierung jedoch schwieriger zu finanzieren ist.

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